Where are the Scrum-Teams?

Harro Engelmann • 27. Mai 2026

Warum KI uns zwingt, Teamarbeit neu zu denken

Es gab eine Zeit, da war die Antwort auf komplexe Produktentwicklung erstaunlich klar:

Baut cross-funktionale Teams.
Gebt ihnen ein Ziel.
Schafft kurze Lernzyklen.
Klärt Rollen.
Arbeitet iterativ.
Nennt es Scrum.


Ob das in der Praxis immer so sauber funktioniert hat, ist eine andere Frage. Aber die Idee war stark: Ein Team übernimmt gemeinsam Verantwortung für ein Produkt, lernt schnell aus Rückmeldung und organisiert seine Arbeit so, dass aus Unsicherheit Schritt für Schritt mehr Klarheit entsteht.

Scrum war eine Antwort auf Komplexität. Jetzt verändert KI die Komplexität selbst. Und damit stellt sich eine neue Frage: Where are the Scrum-Teams?

Nicht im Sinne von: Wo sind sie geblieben? Sondern: Brauchen wir sie in der bekannten Form überhaupt noch? Denn KI verändert nicht nur Werkzeuge. Viele Organisationen behandeln KI im Moment gerade aber immer noch wie ein neues Tool. 

Ein bisschen effizienter schreiben.
Ein bisschen schneller recherchieren.
Ein bisschen Code generieren.
Ein bisschen Dokumentation erleichtern.


Das ist verständlich. Aber wahrscheinlich zu kurz gedacht, wie auch bereits an mehreren Stellen kommentiert wird. KI verändert nicht nur einzelne Arbeitsschritte. Sie verändert die Verteilung von Wissen, Geschwindigkeit, Rollen und Verantwortung. Und da kommt mein Punkt ins Sipel: Was früher mehrere Personen, mehrere Übergaben oder mehrere Schleifen gebraucht hat, kann heute teilweise durch eine Person mit KI-Unterstützung angestoßen, vorbereitet oder sogar umgesetzt werden. Analyse, Konzeption, Text, Code, Recherche, Variantenbildung, Dokumentation, Testideen, Entscheidungsgrundlagen — vieles rückt näher zusammen. Das bedeutet nicht, dass Menschen überflüssig werden. Es bedeutet auch nicht, dass die Qualität dadurch in allen Fällen steigt.


Aber es bedeutet, dass die alte Logik von Teamarbeit und der Arbeit am Team unter Druck gerät.

Denn das klassische Scrum-Team war auf eine bestimmte Welt zugeschnitten. Das Scrum-Team war eine starke Antwort auf eine Welt, in der unterschiedliche Kompetenzen dauerhaft zusammengebracht werden mussten.

Entwicklung.
Produktverantwortung.
Qualität.
UX.
Fachlichkeit.
Stakeholder-Kommunikation.
Umsetzung.


Die Grundannahme war: Komplexe Arbeit braucht ein stabiles Team, das gemeinsam lernt und Verantwortung übernimmt. Diese Annahme bleibt wichtig. Aber KI verschiebt die Bedingungen. Wenn Einzelne mehr Kontext verarbeiten können, wenn Prototypen schneller entstehen, wenn Fachwissen leichter zugänglich wird und wenn Entscheidungen besser vorbereitet werden können, verändert sich die Frage:

Brauchen wir immer noch dieselbe Teamgröße?
Dieselben Rollen?
Dieselbe Sprintlogik?
Dieselbe Trennung von Zuständigkeiten?
Dieselbe Vorstellung von Cross-Funktionalität?


Vielleicht nicht. Vielleicht war das klassische Scrum-Team eine Übergangsform. Eine gute Antwort auf die Komplexität der letzten Jahre. Aber nicht automatisch die beste Antwort auf die nächsten. Und so kann man hingehen und sagen: KI macht Teamarbeit nicht einfacher. Sie macht sie anders. Denn ein Missverständnis wäre, zu glauben: Wenn KI mehr kann, brauchen wir weniger Zusammenarbeit. Das Gegenteil könnte stimmen.

Wir brauchen nicht weniger Zusammenarbeit. Wir brauchen präzisere Zusammenarbeit zu den richtigen Inhalten.

Denn KI erzeugt neue und andere Fragen:

Wer entscheidet, ob ein KI-Vorschlag gut genug ist?
Wer prüft Qualität, wenn Ergebnisse schneller entstehen?
Wer trägt Verantwortung, wenn Mensch und Maschine gemeinsam gearbeitet haben?
Wie entsteht gemeinsames Lernen, wenn viele Arbeitsschritte individualisiert werden?
Wie bleibt Richtung klar, wenn Varianten fast unbegrenzt verfügbar sind?
Wie schützen wir Urteilskraft vor bloßer Geschwindigkeit?


Und das sind keine Tool-Fragen. Das sind Führungs- und Organisationsfragen. und die unterliegen wie immer einer bekannten Gefahr: alte Teamformen, neue Geschwindigkeit- So werden viele  Organisationen versuchen, KI einfach in bestehende Strukturen einzubauen, wie es zur Zeit vielfach geschieht. 

Das Scrum-Team nutzt jetzt KI.
Der Product Owner nutzt jetzt KI.
Die Entwickler nutzen jetzt KI.
Der Scrum Master moderiert jetzt vielleicht auch KI-gestützt. Das kann hilfreich sein. Das kann auch eine Weile gut funktionieren. Gleichzeitig ist es wahrscheinlich eine Übergangsphase an deren Ende andere Antworten gefordert sind. Denn es beantwortet noch nicht die eigentliche Frage:
Passt die bisherige Form der Zusammenarbeit noch zur neuen Art der Wertschöpfung?

Wenn alte Strukturen nur schneller gemacht werden, entstehen nicht automatisch bessere Ergebnisse.Dann werden unklare Entscheidungen schneller vorbereitet. Unklare Prioritäten schneller bearbeitet. Unklare Verantwortung schneller verteilt. Unklare Anforderungen schneller umgesetzt. KI beschleunigt dann nicht Wirkung, sondern ist ein Booster für Unklarheit, Verwirrung und Chaos.


Was könnte an die Stelle des klassischen Scrum-Teams treten? Es geht nicht darum, Scrum abzuschaffen. Es geht darum, wieder mutig genug zu sein, die Form infrage zu stellen.Vielleicht brauchen Organisationen künftig stärker: 

Kleine Kernteams, die Verantwortung für Richtung, Qualität und Entscheidungen tragen.

Fluide Expertennetzwerke, die situativ eingebunden werden, statt dauerhaft in festen Teamgrenzen zu arbeiten.

Mission-Teams, die für konkrete Problemräume gebildet werden und sich wieder auflösen, wenn die Aufgabe erfüllt ist.

Mensch-KI-Arbeitsräume, in denen nicht mehr nur Aufgaben verteilt werden, sondern Intelligenz, Kontext und Verantwortung neu zusammenspielen.

Stärkere Reflexions- und Führungsarchitekturen, weil Geschwindigkeit ohne gemeinsame Bewertung gefährlich wird.

Neue Formen von Wissenstransfer, weil Lernen nicht mehr automatisch im Team entsteht, wenn einzelne Menschen mit KI sehr unterschiedlich arbeiten.


Das sind keine fertigen Antworten. Aber genau darum geht es. Wir sollten wieder anfangen, die richtigen Fragen zu stellen und das Leben in der Unfertigkeit und Paradoxien als Raum von Möglichkeiten zu begreifen.

Die neue zentrale Fähigkeit liegt daher meines Dafürhaltens nach in der Entwicklung einer gemeinsamen Urteilskraft. In einer KI-geprägten Arbeitswelt wird nicht die Organisation gewinnen, die einfach am meisten automatisiert. Gewinnen wird die Organisation, die schneller lernt, klarer entscheidet und Verantwortung besser organisiert. Dafür reicht Methodenkompetenz nicht aus. Es braucht gemeinsame Urteilskraft.

Teams müssen nicht nur Aufgaben erledigen. Sie müssen bewerten können, was relevant ist. Sie müssen entscheiden, welchen Ergebnissen sie trauen. Sie müssen erkennen, wo KI hilft und wo sie blendet. Sie müssen Verantwortung übernehmen für Arbeit, die nicht mehr vollständig aus menschlicher Hand entsteht.


Das verändert auch Führung. Führung muss weniger kontrollieren, ob Menschen beschäftigt sind. Sie muss stärker klären, worauf es in den Arbeitsprozessen ankommt, ohne zu sehr ins Detail abzudriften. Es geht also mehr und mehr um den Rahmen, den Führung bieten muss.

Welche Entscheidungen brauchen menschliches Urteil?
Welche Routinen sichern Qualität?
Welche Verantwortung bleibt nicht delegierbar?
Welche Lernschleifen brauchen wir, wenn Arbeit schneller und unsichtbarer wird?

Where are the Scrum-Teams?

Vielleicht ist die Frage daher fehlgeleitet, wenn wir nach den Scrum-Teams suchen, wie wir sie kennen.  Vielleicht sollten wir fragen: Welche Form von Teamarbeit braucht Wertschöpfung, wenn KI selbstverständlich wird? Wo braucht es stabile Teams? Wo braucht es fluide Zusammensetzung? Wo braucht es klare Rollen? Wo braucht es neue Verantwortungsräume? Wo entsteht Lernen? Wo wird Qualität gesichert? Wo wird entschieden?


Scrum hat Organisationen geholfen, anders über Arbeit nachzudenken. Jetzt braucht es diesen Mut erneut. Nicht als Methodenwechsel. Nicht als nächstes Framework. Nicht als neues Buzzword. Sondern als ernsthafte Auseinandersetzung mit der Frage:

Wie organisieren wir Verantwortung, Zusammenarbeit und Lernen, wenn KI die Arbeit selbst verändert? Vielleicht verschwinden Scrum-Teams nicht. Vielleicht verändern sie nur ihre Form. Aber sicher ist: Wer KI nur in alte Teamlogiken einbaut, verschenkt einen Teil der eigentlichen Chance und baut im schlimmsten Fall eine unzähmbare Hydra, die am Ende die Organisation bestimmt und über Beteiligung selbst entscheidet.

Die nächste Entwicklungsaufgabe liegt nicht im Tool. Sie liegt in der Organisation.


von Harro Engelmann 1. Juni 2026
Es gibt kaum ein Format, über das in Organisationen so viel gestöhnt wird wie über Meetings. Zu viele. Zu lang. Zu unklar. Zu wenig Entscheidung. Zu viel Status. Zu wenig Wirkung. Manche Kalender sehen dabei aus, als hätte die Organisation irgendwann beschlossen, Arbeit vor allem durch Anwesenheit zu simulieren. Und jetzt kommt KI. Plötzlich lassen sich Themen vorbereiten, Protokolle schreiben, Entscheidungsoptionen entwickeln, Argumente sortieren und nächste Schritte formulieren, ohne dass dafür jedes Mal fünf Menschen eine Stunde zusammensitzen müssen. Das ist verführerisch. Sehr sogar, denn auf einmal stellt sich eine naheliegende Frage: Meetings braucht noch mal genau wer?! Die ehrliche Antwort: viele Meetings wahrscheinlich niemand Viele Meetings existieren nicht, weil sie gute Zusammenarbeit ermöglichen. Sie existieren, weil Verantwortung unklar ist. Weil Entscheidungen nicht getroffen werden. Weil Informationen nicht sauber fließen. Weil Führung nicht klar genug priorisiert. Weil niemand den Mut hat, einen Termin einfach zu streichen. KI wird durch ihren Fokus und die Verknüpfung von Angeboten für Antworten, in extrem reduzierter Geschwindigkeit ohne das Ganze soziale Drumherum viele dieser Meetings noch fragwürdiger machen. Statusrunden? Kann ein gutes System oft besser vorbereiten. Protokolle? Müssen nicht mehr kollektiv erarbeitet werden. Erste Analysen? Können vorab entstehen. Varianten? Lassen sich schneller durchspielen. Agenda-Vorschläge? Kein Grund mehr für ein Vorbereitungstreffen. Wenn ein Meeting nur dazu dient, Informationen zu verteilen, Unklarheit zu verwalten oder fehlende Vorbereitung zu kompensieren, wird es schwerer zu rechtfertigen. Gut so. Denn viele Meetings waren schon vor KI keine Zusammenarbeit. Sie waren organisatorische Gewohnheit. Aber KI-Sparring ist kein echter Widerspruch und kein echter Austausch Gleichzeitig entsteht eine neue Gefahr. Wer mit KI arbeitet, erlebt schnell etwas sehr Angenehmes: Resonanz. Man denkt laut. Die KI antwortet. Sie sortiert. Sie spiegelt. Sie formuliert. Sie bietet Alternativen an. Sie widerspricht sogar, wenn man sie darum bittet. Das kann stark sein. Gerade für Führungskräfte, Selbstständige oder Expert:innen, die oft allein mit komplexen Fragen sind, kann KI ein hervorragender Sparringspartner sein. Aber sie ist kein Mensch. Und vor allem: Sie ist kein echtes Gegenüber mit eigener Verantwortung, eigenem Risiko, eigener Erfahrung und eigener innerer Beteiligung. KI kann Gedanken erweitern. Aber sie teilt nicht die Folgen. Sie kann Argumente simulieren. Aber sie steht nicht mit im Raum, wenn es schwierig wird. Sie kann Widerspruch erzeugen. Aber sie hat keine eigene Betroffenheit. Das ist ein Unterschied. Eine weitere Gefahr liegt im Füttern KI arbeitet mit dem, was wir ihr geben. Mit unseren Fragen. Unseren Begriffen. Unseren Annahmen. Unserem Problemzuschnitt. Unserer Art, die Welt zu beschreiben. Und genau darin liegt die stille Gefahr. Wer KI füttert, füttert sie oft auch mit den eigenen blinden Flecken. Mit dem, was nicht gesehen wird. Mit dem, was nicht gefragt wird. Mit dem, was nicht irritiert. Mit der eigenen Logik, die sich für Klarheit hält. Natürlich kann KI helfen, Perspektiven zu erweitern. Aber sie braucht dafür gute Führung. Sie braucht gute Fragen. Gute Gegenhypothesen. Gute Irritation. Wenn diese fehlen, entsteht etwas anderes: Man bekommt eine sehr kluge Verstärkung des eigenen Denkraums. Das fühlt sich produktiv an. Es sieht reflektiert aus. Es klingt differenziert. Und trotzdem kann es eng und auch fehlgeleitet bleiben. Menschen denken nicht nur anders. Sie stören anders. Genau deshalb bleibt der Austausch mit anderen Menschen so bedeutsam. Nicht, weil jedes Thema ein Meeting braucht, sondern weil echte andere Menschen etwas mitbringen, das KI nicht ersetzt: Sie hören anders. Sie fragen aus einem anderen Kontext. Sie reagieren mit Erfahrung, Irritation, Zweifel oder Widerstand. Sie merken, wenn etwas im Raum nicht stimmt. Sie vertreten Interessen, die nicht im Prompt standen. Sie bringen Ambivalenz ein, ohne vorher darum gebeten worden zu sein. Das ist nicht immer angenehm. Aber oft genau der Punkt. Gute Zusammenarbeit besteht nicht darin, dass alle gleichzeitig Informationen austauschen. Gute Zusammenarbeit entsteht dort, wo Unterschiedlichkeit produktiv wird. Wo jemand sagt: „Ich sehe das anders.“ „Da fehlt mir etwas.“ „Das klingt logisch, aber nicht tragfähig.“ „Was passiert mit den Menschen, die davon betroffen sind?“ „Welche Annahme steckt dahinter?“ „Warum ist das eigentlich unsere Lösung?“ Solche Momente sind nicht effizient im engen Sinn. Aber sie sind wirksam. Nicht jedes Meeting ist Zusammenarbeit Das heißt nicht, dass Meetings gerettet werden müssen. Im Gegenteil. Viele Meetings sollten verschwinden. Andere sollten kleiner werden. Kürzer. Seltener. Besser vorbereitet. Klarer entschieden. Konsequenter beendet. Die Frage ist nicht, ob wir Meetings brauchen. Die Frage ist aus meiner Sicht: Welche Form von Austausch erzeugt hier wirklich bessere Entscheidungen, klarere Verantwortung oder gemeinsames Lernen? Wenn darauf keine gute Antwort kommt, braucht es vermutlich kein Meeting. Wenn die Antwort aber lautet: Wir brauchen Widerspruch, Perspektivwechsel, gemeinsames Ringen oder echte Entscheidung — dann reicht KI-Sparring allein nicht aus. Dann braucht es Menschen im Raum. Nicht viele. Aber die richtigen. Die neue Meeting-Frage Vielleicht verändert KI nicht nur, wie wir Meetings vorbereiten. Vielleicht zwingt sie uns, ihren Zweck neu zu klären. Ein Meeting ist künftig nicht mehr automatisch der Ort, an dem Information verteilt, Arbeit synchronisiert oder Denken begonnen wird. Das kann vieles vorher passieren. Ein Meeting muss sich stärker rechtfertigen. Als Raum für Entscheidung. Für Konflikt. Für gemeinsame Urteilskraft. Für Verantwortung. Für Lernen. Für das, was nicht entsteht, wenn jede Person allein mit ihrem eigenen Denkraum und einer gut antwortenden KI arbeitet. Das ist anspruchsvoller. Aber auch befreiend. Denn dann werden Meetings weniger selbstverständlich. Und wichtiger.  Meetings braucht noch mal genau wer?! Vielleicht brauchen wir weniger Meetings. Sehr viel weniger sogar. Aber wir brauchen mehr bewusste Begegnung. Mehr echte Unterschiedlichkeit. Mehr Widerspruch. Mehr gemeinsame Urteilskraft. Mehr Räume, in denen blinde Flecken nicht nur höflich umkreist, sondern sichtbar werden. KI kann viel vorbereiten. Sie kann Gedanken schärfen, Varianten bilden, Argumente sortieren und Entscheidungen unterstützen. Aber sie ersetzt nicht das Gegenüber, das anders denkt, anders betroffen ist und andere Fragen stellt. Deshalb ist die eigentliche Frage nicht: Wie viele Meetings können wir durch KI ersetzen? Sondern: Welche Begegnungen dürfen wir nicht verlieren, wenn Arbeit effizienter wird? Genau dort beginnt die nächste Führungsaufgabe.
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Jahr für Jahr wiederholt sich das gleiche Szenario in vielen Unternehmen: Kurz vor Weihnachten steht mindestens ein Strategiemeeting an, das einen hohen Anspruch an Vollständigkeit und Perfektion verfolgt. Die begrenzte Zeit und die immense Erwartung, in wenigen Tagen das Fundament für das kommende Jahr zu legen, bilden dabei unüberbrückbare Herausforderungen, die die Führungskräfte meistens frustrierter zurücklassen. Oder wie es ein Bekannter von mir vor kurzem formulierte: “Oh man, ich weiß gar nicht, wo mir grad der Kopf steht! Ich hab in letzter Zeit ständig Strategie-Meetings und Workshops, die alle plötzlich in meinem Kalender erscheinen und mich vom Arbeiten abhalten!” Doch warum werden diese Meetings immer wieder so spät im Jahr angesetzt und welchen Einfluss hat das auf die Qualität der erarbeiteten Strategien und vor allem auf die Führungskräfte des Unternehmens? Der Timing-Fehler Die Monate November und Dezember sind für viele Mitarbeiter ohnehin schon eine stressige Zeit. Jahresabschlüsse müssen vorbereitet, Projekte abgeschlossen und zukünftige Budgets geplant werden. Inmitten dieses Chaos treffen sich Führungsteams, oft viel zu kurzfristig, um über weitreichende strategische Entscheidungen zu diskutieren. Die Folge: ein enormer Druck, alle Themen umfassend behandeln zu müssen, während die nötige Ruhe und Fokussierung fehlt. Was daraus erwächst sind fahrige “Strategien”, die z.T. im Widerspruch zueinander stehen und aus ihrer Gründung heraus Spannungen erzeugen. Der Anspruch an Vollständigkeit Der Wunsch, jede mögliche Eventualität im Strategiepapier abzudecken, führt oft zu überladenen und unklaren Plänen. Anstatt sich auf wesentliche Ziele und Maßnahmen zu konzentrieren, neigen (auch Leadership-) Teams dazu, sich im Detail zu verlieren. Dieser Hang zur Überkomplexität wird oft durch die fehlende Zeit zur sorgfältigen Vorbereitung und Nachbearbeitung der Themen verstärkt. Auch hierdurch entstehen unterschiedliche Problemlagen. Mikromanagement ist eines davon. Der fehlende Blick für Gesamte eine weitere. Die Führungskräfte Sie sind zumeist in der kalten Jahreszeit auf einer erhöhten Betriebstemperatur: Mitarbeitende fallen krankheitsbedingt aus, Zahlen müssen geprüft und vielleicht auch noch das ein oder andere Prämienrelevante persönliche Entwicklungsziel abgearbeitet werden. Und dann braucht es ausgerechnet in dieser Zeit eine Auseinandersetzung mit der Zukunft und den Zielen? Das frustriert und senkt die Motivation. Das kann zuweilen selbst die erarbeitete Strategie konterkarieren. Und für angespannte und zugleich motivierte Menschen den berühmten Tropfen darstellen. Und was kann hier helfen? Nun, als erster Schritt: Terminplanung und die Frage danach, wie im Unternehmen eigentlich Strategie geplant werden möchte und soll! Dabei lohnt sich der Einsatz von Methoden, die auch Planungsprozesse unterstützen. Es lohnt sich auch, bei der Terminplanung eine Zeit zu berücksichtigen, in der die Geschäfte eher ruhig laufen und die relevanten Personen nicht an der Spitze ihrer Auslastung unterwegs sind. Ein weiterer Schritt: eine Auseinandersetzung mit den Erwartungen an das Meeting oder die Meeting-Serie. Wer sich traut, klar auszusprechen, was er erreichen möchte, hat mehr Chancen am konkreten zu diskutieren. Die Diskussionen wabern nicht im Raum und Menschen verlassen denselben nicht frustriert. Im Meeting selbst: Fokussierung auf das Wesentliche! Durch gezielte Moderation helfen Sie, Ablenkungen zu vermeiden und das Meeting auf die entscheidenden Punkte zu konzentrieren. Und dabei hilft eine über Jahre erfolgreich angewandte Regel: Wer inhaltlich diskutieren möchte, moderiert nicht. Und wer moderieren möchte, diskutiert nicht inhaltlich mit. Daher lohnt es sich meistens, zum Thema Strategie eine externe Moderation hinzuzuziehen, die Methoden-kompetent die Ziele der Gruppe im Blick behält und die Gruppe zur Zielerreichung führt. Und ein weiterer Schritt: Eine Strukturierte Vorbereitung Indem sie im Vorfeld klare Vorbereitungsprozesse definieren, stellen sie sicher, dass die relevanten Informationen und Analysen rechtzeitig zur Verfügung stehen. Zudem hatten alle Teilnehmenden die Gelegenheit, sich vorzubereiten und ihre jeweiligen Perspektiven zu sortieren. Das steigert zudem den Grad der tatsächlichen Beteiligungsmöglichkeiten und erhöht die Konsensfähigkeit der Gruppe. Ein Fazit Späte Strategiemeetings, die eine umfassende Vollständigkeit anstreben, sind oft zum Scheitern verurteilt, wenn sie unter Zeitdruck und ohne klaren Fokus durchgeführt werden. Externe Begleitung kann hier den entscheidenden Unterschied machen, um Struktur und Effizienz in den Prozess zu bringen und den Wunsch nach einer klaren und umsetzbaren Strategie zu erfüllen. Während sich das Jahr dem Ende zuneigt, sollten Unternehmen darüber nachdenken, wie sie ihre zeitlichen Abläufe und Ressourcenplanung optimieren können – denn die beste Strategie ist nutzlos, wenn sie in Hektik und Unklarheit entwickelt wird.
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